Handchirurgie
- Chirurgische Versorgung frischer Verletzungen mit Knochen- Sehnen- Gefäß- und Nervendurchtrennungen an den Extremitäten ( 24 Std. Replantationsdienst)
- Korrekturoperation nach Frakturen an Hand und Unterarm
- Distraktionsverfahren zur Knochenverlängerung,
- Vaskularisierte Knochenimplantate
- Rekonstruktion von älteren Nervenverletzungen mittels Nerventransplantation
- Motorische Ersatzplastiken
- Chirurgische Behandlung von Nervenkompressionssyndromen an den Extremitäten
- Funktionswiederherstellende Eingriffe bei Mißbildungen der Hände
- Rheumachirurgie (alloplastischer Gelenkersatz)
Dupuytren`sche Kontraktur
Zwischen der Haut der Hand und den Beugesehnen und Nerven der Hand liegt eine strangförmige Gewebeschicht, auch Palmaraponeurose genannt. Beim festen Zugreifen oder beim Sturz auf die Hand schützt die Palmaraponeurose die darunter liegenden Sehnen und Nerven. Bei Morbus Dupuytren wird dieses Gewebe strangförmig und immer dicker; es bildet Knoten und verkürzt sich, so dass es zur zunehmenden Verkrümmung der Finger kommt. Therapie: Das krankhaft veränderte Fasziengewebe wird möglichst vollständig operativ entfernt. In fortgeschrittenen Fällen wird bei einer Hautverkürzung eine Hautverlängerung mit Hautplastiken oder auch durch Hautverpflanzungen vorgenommen. Bei lange bestehenden Gelenkkrümmungen ist es oft notwendig, die geschrumpften Bandstrukturen eines Gelenkes zu lösen. In sehr einfachen Fällen dauert der Eingriff weniger als eine Stunde; in fortgeschrittenen Fällen kann die Operationszeit mehrere Stunden betragen.
Karpaltunnelsyndrom
Der Karpaltunnel ist eine tunnelartige Röhre, die sich in der Tiefe zwischen der Daumenballen- und der Kleinfingerballenmuskulatur befindet. In Höhe des Handgelenkes befindet sich zwischen Daumen- und Kleinfingerballen ein breites Band, welches das Dach des Kanals (Karpaltunnel) darstellt. Hier zieht ein wichtiger Handnerv - der Nervus medianus - durch. Bei dieser Erkrankung ist dieser Kanal zu eng und es wird auf den Nerven Druck ausgeübt. Der eingeklemmte Nerv verursacht Schmerzen, die besonders nachts sehr stark sind. Beim Fortschreiten des Krankheitsbildes kommt es zur Ausbildung eines Taubheitsgefühls, das besonders den Daumen, Zeige- und Mittelfinger betrifft. Besteht die Erkrankung viele Jahre, so kann es auch zu einem Schwund der Daumenballenmuskulatur kommen, so dass der Daumen dann nicht mehr kraftvoll den Fingern gegenübergestellt werden kann. Eine Kompression des Nervus medianus im Handbereich kann man heute meist durch eine Messung der "Nervenströme" beim Nervenarzt feststellen (ELG / EMG).
Therapie: Über einen Hautschnitte über dem Karpalkanal wird unter Sicht das Karpaldach gespalten, der Karpalkanal eröffnet und der eingeengte Nerv befreit.
Kahnbeinfraktur/ Kahnbeinpseudarthrose
Das Kahnbein ist einer der wichtigsten Handwurzelknochen des Handgelenkes und liegt an der Daumenseite der Handwurzel. Kahnbeinbrüche entstehen am häufigsten durch einen Sturz auf die ausgestreckte Hand. Nicht immer verursacht der Kahnbeinbruch unangenehme Schmerzen und Schwellungen im Handgelenk mit verstärkten Schmerzen bei Druck auf das Kahnbein. Manchmal verursacht ein Bruch des Kahnbeines nur ganz geringe Schmerzen und Schwellungen. Brüche des Kahnbeins werden auch manchmal nicht erkannt, weil Patienten nur eine Verstauchung der Hand vermuten und keinen Arzt aufsuchen oder weil der behandelnde Arzt eine Röntgenaufnahme macht, worauf der Bruch in Einzelfällen nicht zu erkennen ist. Bei Verdacht auf einen Kahnbeinbruch sollte 14 Tage nach dem Unfall eine zweite Röntgenaufnahme gemacht werden. Bis dahin sollte das Handgelenk in einer Gipsschiene mit Daumeneinschluss ruhig gestellt werden. Zur weiteren Diagnostik kann bei Bedarf auch eine Computertomografie oder eine Kernspintomografiedurchgeführt werden. Therapie: Frische Brüche des Kahnbeines, welche nicht stark verschoben sind, können ohne Operation mit einer Ruhigstellung von ca. 3 Monaten behandelt werden. Ältere Kahnbeinbrüche (sog. Kahnbeinpseudarthrose) müssen immer operativ behandelt werden, da auch bei sehr langer Ruhigstellung die beiden Bruchstücke nicht wieder knöchern zusammenwachsen. Im Fall eines instabilen Bruches besteht die Gefahr, dass sich eine Kahnbeinpseudarthrose bildet, d.h. dass die beiden Bruchenden nicht zusammenwachsen. Diese kann später nur noch mit größerem operativem Aufwand behandelt werden. Unterbleibt auch diese Behandlung, kann es später - nach vielen Jahren - zu erheblichen Beschwerden und zu einem schweren Verschleiß des Gelenkes führen. Es kommt zu starken Schmerzen im Handgelenk, so dass teilweise nur noch eine Versteifung des Handgelenkes vorgenommen werden kann. Beim frisch gebrochenen Kahnbein wird dieses freigelegt und die Bruchenden wieder readaptiert. Danach wird der Bruch in der Mehrzahl der Fälle mit einer sog. Herbert-Schraube stabilisiert. Diese Schraube wurde speziell für Kahnbeinbrüche entwickelt und hat sich als Standardverfahren etabliert. Die Herbert-Schraube kann meist belassen werden, so dass eine zweite Operation mit Entfernung der Schraube in der Regel nicht erforderlich ist. Nur in Einzelfällen, bei denen sich die Herbert-Schraube lockert oder die Gelenkmechanik stört, muss sie entfernt werden.
Knochenbrüche
Viele Brüche an der Hand können konservativ, d.h. ohne Operation, behandelt werden. Dabei wird die Hand je nach Bruchtyp für ca. 4 ? 6 Wochen im Gips ruhig gestellt. Bei bestimmten Bruchtypen ist auch eine so genannte frühfunktionelle Behandlung möglich, wobei mit Hilfe bestimmter Verbandstechniken eine frühe Bewegung ohne Belastung durchgeführt wird. Eine Reihe von Bruchformen, wie z.B. offene Brüche, instabile Brüche und verschobene oder Gelenkbrüche, sollte jedoch operiert werden. Therapie: Der oder die gebrochenen Knochen werden operativ freigelegt und dann wieder so hingestellt, wie es die Natur vorgesehen hat (bei Trümmerbrüchen gelingt dies allerdings nur annähernd). Dann wird der Bruch entweder durch kleine Drähte oder durch Schrauben und Platten stabilisiert. Sowohl die Drähte als auch die Schrauben oder Platten müssen meist später entfernt werden. Die Entfernung des Materials ist jedoch wesentlich weniger aufwendig als die akute Frakturversorgung.
Gefäß-/Nerven-/Sehnenverletzungen/Amputationen
Die meisten Gefäß-/ Nerven-/ Sehnenverletzungen an Hand und Unterarm entstehen durch Schnittwunden oder andere Unfälle. Bei einer Nervennaht wird die Hüllstruktur des Nerven wieder zusammennäht. Danach kann in einem langwierigen Prozess der Nerv wieder mit einer Geschwindigkeit von einem halben bis einem Millimeter pro Tag auswachsen. Auch Gefäße und Sehnen werden in mikrochirurgischer Technik wieder aneinander adaptiert, so dass eine gute Durchblutung und Funktionsfähigkeit der Hand wiederhergestellt werden kann. Sogar ganze oder teilweise abgetrennte Finger oder Hände/Arme können in mikrochirurgischer Technik wiederhergestellt werden. Dabei werden alle durchtrennten Strukturen ebenso wie der Knochen wieder readaptiert und mittels Naht sowie Drähten, Schrauben oder ähnlichem stabilisiert.
schnellender Finger/Daumen
Hier kommt es bei dem Versuch, einen Finger oder den Daumen zu strecken, zu einem plötzlichen "Rucken" des Fingers bzw. des Daumens. Nach einem anfänglichen Festhaken springt der Finger zurück in die Streckposition (wie bei einem Klappmesser). Diese Beschwerden treten vor allem morgens oder nach längerer Ruhigstellung der Hand auf. In einigen Fällen besteht bei diesem Krankheitsbild allerdings kein "klassisches" Schnappen: Hier leiden die Betroffenen ebenfalls vor allem morgens mit dem Gefühl der Morgensteifigkeit an ausgeprägten Schmerzen beim Faustschluss oder auch beim Strecken der Finger. Oft berichten die Betroffenen, dass dem Schnappen eine ungewohnte Anstrengung vorausgegangen sei (z.B. Gartenarbeiten, langes Tragen...). Bei diesen Tätigkeiten wird Druck auf die Region der A1 - Ringbänder ausgeübt. Liegt gleichzeitig eine degenerative Veränderung vor, so quillt das Sehnengleitgewebe im Bereich des A1 - Ringbandes auf und die Beugesehne gleitet plötzlich nicht mehr widerstandsfrei durch das A1-Ringband. Therapie: Bei der Operation wird das A1-Ringband gespalten. Die Sehnen können dann nach der Operation wieder normal gleiten. In fortgeschrittenen Fällen ist oftmals eine Entfernung des entzündeten Sehnengleitgewebes sowie das Lösen von Sehneverwachsungen erforderlich.
Tendovaginitis de Quervain
Am Handgelenk in der Verlängerung vom Daumen zum Unterarm liegt ein tunnelartiger Kanal, durch den normalerweise zwei Sehnen zum Daumen laufen. Es kommt jedoch auch vor, dass dieser Kanal drei oder sogar vier Sehnen enthält. Bei einer Tendovaginitis de Quervain ist dieser Kanal verengt, so dass es bei Bewegung des Daumens zu Reibungen der Sehnen an den Kanalwänden kommt, wodurch starke Schmerzen entstehen. Therapie: Über dem verdickten 1. Strecksehenfach am Handgelenk wird ein bogenförmiger Schnitt angelegt, der Kanal freigelegt und gespalten, um so ein besseres, schmerzfreies Gleiten der Sehnen zu ermöglichen. Entzündete Sehnenscheiden werden gegebenenfalls zusätzlich mit entfernt.
Überbein
(Ganglion)
Unter einem Ganglion, auch Überbein genannt, versteht man eine ballonartige Zyste, die meist Verbindung mit einem Gelenk oder einer Sehnenscheide hat. Die Zyste steht ähnlich wie ein Luftballon mit einem Gelenk oder einer Sehnenscheide in Verbindung. Am Gelenk oder der Sehnenscheide wird verstärkt "Gelenkschmiere" (Synovialflüssigkeit) produziert, welche durch einen Stiel in die Zyste gelangt und diese immer mehr aufdehnt. Therapie: Bei der Operation wird das Ganglion entfernt, der Stiel des Ganglions wird hierbei unterbunden. Als nicht operative Therapie ist die Punktion des Ganglions zu nennen. Auch wenn diese Maßnahme nur in einer relativ kleinen Zahl der Betroffenen zum dauerhaften Erfolg führt, so kann diese Maßnahme vor der Erwägung einer Operation durchaus sinnvoll sein, da die Punktion wesentlich weniger belastend ist als eine operative Entfernung.
Arthrose des Daumensattelgelenkes
(Rizarthrose)
Unter einer Arthrose wird ganz allgemein die fortschreitende Zerstörung des Gelenkknorpels verstanden. Das Daumensattelgelenk wird aus dem ersten Mittelhandstrahl und dem großen Vielecksbein aus dem Handgelenk gebildet. An der Stelle, wo diese Knochen eine gelenkige Verbindung eingehen, ist der Knochen mit Knorpel überzogen. Bei jeder Form der Arthrose kommt es aus unterschiedlichen Gründen zum Untergang dieser Knorpelschicht. In Einzelfällen kann eine Daumensattelgelenksarthrose auch nach einer gelenknahen Fraktur entstehen. Im Frühstadium der Rizarthrose kommt es zu einem Kraftverlust des Daumens, so dass z.B. keine Flasche mehr geöffnet werden kann. Später kommt es zu Schmerzen im Bereich des Sattelgelenks. In schweren Fällen können diese Schmerzen sogar noch lange nach der Belastung anhalten. Therapie: Eine operative Behandlung sollte dann durchgeführt werden, wenn die Schmerzen bereits länger anhalten oder zugenommen haben und konservative Therapieversuche mittels Ruhigstellung, Cortisoninjektion und Schmerztherapie gescheitert sind. Im ersten Teil der Operation wird das große Vielecksbein entfernt. Um ein Einsinken des 1. Strahls (Daumen) in diesen Hohlraum zu verhindern, teilt man im zweiten Teil der Operation von einer breiten Sehne, die in der Tiefe des Hohlraumes verläuft einen Sehnenstreifen ab, der durch ein Bohrloch am 1. Strahl gezogen wird und dann den Hohlraum ausfüllt. Die Implantation einer Prothese in das Daumensattelgelenk ist eine andere Alternative.
Sulcus-ulnaris-Syndrom
Ellenbogen werden Sensibilitätsstörungen an Ring- und Kleinfinger ausgelöst. Bei fortschreitendem Verlauf sind die Missempfindungen dauerhaft vorhanden und es treten motorische Störungen auf. Der Kleinfinger kann nicht mehr richtig an- oder abgespreizt werden, es tritt das Gefühl einer Handschwäche auf. Der Ellennerv (n.ulnaris) kann auch im Bereich des Handgelenkes eingeengt sein. Therapie: Bei einer Einengung des Nerven am Ellenbogen wird um den ?Musikantenknochen? an der Innenseite des Ellenbogens über einen bogenförmigen Schnitt der eingeengte Ellennerven in der Ellenrinne (sulcus ulnaris) von allen auf ihn drückenden Strukturen befreit. Oft muss man den Ellennerven aus der Rinne herausnehmen und in ein neues Bett nach vorne verlagern. Bei einer Einengung des Nerven am Handgelenk wird der Nerv über einen Hautschnitt in Höhe des Handgelenkes bis zur Handfläche in seinem Kanal ( Loge de Guyon) befreit.
Syndaktylie (angeborene Fehlbildung)
Unter einer Syndaktylie versteht man die Verbindung zweier oder mehrerer Finger (bzw. am Fuß zweier oder mehrerer Zehen). Es lassen sich verschiedene Formen der Syndaktylie unterscheiden. Bei den einfachen Formen liegt lediglich eine Art Schwimmhaut im Bereich der Grundglieder der Finger vor. In manchen Fällen kann die Verschmelzung sogar so hochgradig sein, dass neben einer Hautbrücke auch Knochenteile der beiden Finger miteinander verwachsen sind. Therapie: Die Operationstechnik und auch die Zeitwahl der Operation wird ganz wesentlich von der Form und der Lokalisation der Syndaktylie mit bestimmt. Die Syndaktylie, bei der zwischen den Fingern zu wenig Haut besteht, wird getrennt und die entstehenden Hautdefizite durch Hauttransplantate von anderer Stelle ersetzt, wobei die Zwischenfingerfalte neu gebildet wird. Nur bei ganz kurzen Syndaktylie-Zonen vor allem in Höhe der Grundglieder kann man selten ohne die Transplantation von Haut auskommen.
Andere Fehlbildungen
Es kann zum Beispiel geburtsbedingt zu einer Unterentwicklung oder Fehlentwicklung des Armes bzw. der Hand kommen, so dass die Hand bestimmte Bewegungen nicht ausführen kann. Oft ist in diesen Fällen durch eine Umlagerung von Sehnen oder eine Sehnenersatzplastik eine Besserung der Bewegung herbeizuführen. Die umgelagerten oder verpflanzten Sehnen ersetzen dann die Funktion der fehlenden Sehnen. Falls es bereits zu Verkrümmungen der Finger gekommen ist, kann man auch hier eine deutliche Verbesserung erzielen, indem man vorhandene Sehnen durch Plastiken verlängert und Gelenke löst. Teilweise wird dafür eine vorübergehende Versteifung dieser Gelenke notwendig, um eine erneute Verkrümmung der Finger und Gelenke zu vermeiden. Diese Fälle sind meist sehr komplex und bedürfen genauer anatomischer Kenntnisse der Hand sowie der operativen Rekonstruktionsmöglichkeiten. Das genaue operative Vorgehen kann bei diesen Erkrankungen jeweils nur von Fall zu Fall erklärt werden.


