Kölner Spezialisten sind weltweit gefragt
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Merheimer Schwerstverbrannten-Zentrum: Erfahrungen mit Opfern von Flugzeugabstürzen
EVELINE KRACHT
Die Haut des Piloten war zu 94 Prozent verbrannt. Nach einem Flugzeugabsturz kam der Iraner mit fünf weiteren Verletzten ins Kölner Schwerstverbrannten-Zentrum, weil es in seiner Heimat keine Behandlungsmöglichkeit gab. Drei Monate lag der Flugkapitän auf Leben und Tod im städtischen Krankenhaus Merheim, 15 Mal wurde er zur Übertragung von Haut operiert. Dann konnte er nach Hause entlassen werden. "Das größte Problem bestand darin, den Mann immer wieder aus dem Organversagen rauszuholen", schildert der Direktor des Schwerstverbrannten-Zentrums,
Professor Dr. Gerald Spilker, die intensivmedizinischen Herausforderungen.
Dank langjähriger Erfahrung und moderner Ausstattung sind die Mediziner in der Lage, selbst Menschen mit den schwersten Verbrennungen noch durchzubringen. Zehn Intensivbetten mit Beatmung und zehn Nachsorgebetten stehen auf der Spezialstation zur Verfügung, wo rund 100 Patienten im Jahr eingeliefert werden. Von den 41 Zentren dieser Art in Deutschland ist Merheim das drittgrößte. "Bei den Überlebensraten", sagt Spilker zufrieden, "liegen wir ganz vorne." Das hat sich international herumgesprochen.
Unter den Patienten sind gelegentlich auch Flugopfer. Meistens handele es sich um Abstürze von Privatmaschinen im Ausland, die Deutsche an Bord haben, so der Spezialist. Aus Spanien sei bisher allerdings keine Anfrage zur Übernahme von Unfallopfern eingegangen.
Sollte es zu einer Flugzeugkatastrophe auf deutschem Boden kommen, gibt es laut Spilker landesweit genug Behandlungskapazitäten. Bei einer großen Zahl an Brandverletzten würden die Patienten an der Unglücksstelle zunächst stabilisiert und dann in der Regel von der nationalen Leitstelle der Feuerwehr in Hamburg auf die Zentren mit freien Kapazitäten verteilt, erläutert der Chef der Plastischen, Wiederherstellungs-und Handchirurgie.
Doch nicht nur im Notfall, sondern auch zur späteren Korrektur von Entstellungen, Narbenwucherungen oder Funktionseinschränkungen als Folgen von Verbrennungen behandelt die Merheimer Klinik Patienten aus dem gesamten In- und Ausland, wobei Spilker betont: "Für Verletzte aus Köln und Umland halten wir immer freie Plätze vor."
Ursprünglich, berichtet der Klinikchef, sei das Schwerstverbrannten-Zentrum 1984 wegen des Petrochemie-Gürtels um die Stadt eingerichtet worden. Der Ernstfall - eine Explosion mit vielen Brandverletzten aus der Industrie - ist aber glücklicherweise bis jetzt nicht eingetreten. Zum überwiegenden Teil handele es sich bei den Einweisungen um Menschen, die sich beim Grillen, Rauchen im Bett oder bei Unfällen aller Art Brandwunden zugezogen haben. Die Zahl der Patienten, die berufsbedingt Verbrennungen erleiden, gehe dank der verschärften Arbeitsschutzbestimmungen sogar zurück.
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